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Berlin – Ehemalige Mitarbeiter erhalten von G Adventures Kredite – gründen sie soziale Projekte. Mehr weiß Jeanette Buller, Verkaufsdirektorin für die deutschsprachigen Märkte.

Warum vergibt Ihr Unternehmen Kredite an ehemalige Mitarbeiter?

Buller: Die Vision von G Adventures ist es, die Welt durch Reisen positiv zu verändern. Dafür haben wir seit geraumer Zeit mehr als 51 Sozialprojekte weltweit an unser Unternehmen angebunden. Projekte, die den Einheimischen in den Reiseländern – vor allem in Asien und Afrika – eine nachhaltige, wirtschaftliche Perspektive bieten. 2016 sind wir einen Schritt weiter gegangen und haben einen Fonds zur Vergabe von zinsgünstigen Krediten ins Leben gerufen. Mit Hilfe des Fonds können ehemalige Reiseleiter eigene Startup-Ideen verwirklichen, die anschließend in die Reiseabläufe der G Adventures-Touren integriert werden.

Wer kann einen solchen Kredit beantragen?

Das Angebot richtet sich gezielt an erfahrene Reiseleiter, unsere Chief Experience Officer, die mindestens 300 Tage erfolgreich bei G Adventures gearbeitet haben. Der Job als CEO ist ja sehr anspruchsvoll und zeitintensiv, das viele Herumreisen kann nach einiger Zeit auch anstrengend und belastend werden. Mit dem Kredit wollen wir das Know-how derjenigen, die aus persönlichen Gründen aussteigen, weiter für unser Unternehmen nutzbar machen. Gleichzeitig können wir unseren Kunden dadurch immer wieder neue spannende Projekte anbieten.

Was sind die inhaltlichen Kriterien für ein Kredit-Projekt?

Da gibt es eine Reihe von Vorgaben: Zum einen muss die Geschäftsidee einen Mehrwert für unsere Gäste darstellen und in den Bereichen Gastronomie, Hotellerie oder Touren verortet sein. Sie muss zudem auf eine langfristige Partnerschaft mit uns abzielen – und natürlich prüfen wir vorab die Markttauglichkeit. Wichtig ist, dass das Projekt in einem Land beheimatet ist, wo wir auch Reisen anbieten – und natürlich muss es der Philosophie von G Adventures entsprechen, also eine nachhaltige Entwicklung im Reiseland befördern.

Wie viele Projekte wurden schon unterstützt?

Wir haben etwa zehn Anfragen pro Jahr, von denen die Hälfte nach Prüfung als förderwürdig erscheint. Aktuell gibt es drei Projekte: Das indische Restaurant The Street Kitchen in Delhi, das Jugendliche sowie junge Erwachsene, die obdachlos oder Opfer von Gewalt und Menschen-handel geworden sind, beschäftigt. Dann das vietnamesische Restaurant Hanoi Food Culture, welches benachteiligte Studenten bei der Finanzierung ihres Studiums unterstützt, sowie den Food Tour-Anbieter mit Kochschule Best Bite Peru in der peruanischen Hauptstadt Lima.

Wie hoch sind Summen, die Sie vergeben? Und wie ist der Zinssatz?

Das ist natürlich von Projekt zu Projekt verschieden. Wir haben bisher Kredite im Rahmen zwischen 10 000 und 50 000 Dollar vergeben, der Zinssatz beträgt fünf Prozent. Wir wollen mit diesem Fonds, der übrigens vom Firmengründer Bruce Poon Tip aus den Gewinnen seines ersten Buches aufgelegt wurde, kein Geld verdienen.

Aber als Veranstalter müssen Sie schon Geld verdienen, wo liegt Ihr Schwerpunkt?

Als Veranstalter sind wir auf allen sieben Kontinenten tätig und haben aktuell 730 Erlebnis- und Abenteuerreisen im Portfolio – vor allem in Asien und Lateinamerika. Wobei wir unter Abenteuerreisen weniger eine Rafting-Tour durch einen strömenden Wildbach meinen – auch wenn es solche Angebote gibt. Das eigentliche Abenteuer besteht bei uns jedoch darin, authentische Erlebnisse und Begegnungen mit den Einheimischen und ihrer Kultur zu schaffen. Dabei folgen wir dem Motto: Keep it lokal, das heißt: Der überwiegende Teil der Wertschöpfung soll im Land bleiben. Das gewährleistet G Adventures, indem es ausschließlich mit einheimisch geführten Hotels, Restaurants oder anderen touristischen Anbietern zusammenarbeitet.

Und die Zielgruppe?

Die ist weit gefasst: Wir haben Familienreisen im Portfolio, genauso wie Aktivreisen, die eher von Jüngeren gebucht werden. Dann gibt es aber auch Angebote für eher Best Ager – beispielsweise unsere Polar- Kreuzfahrt. Das Durchschnittsalter unserer Kunden liegt etwa bei 38 Jahren.

Welchen Umsatz machen Sie?

Ich kann Ihnen nur Zahlen für den DACH-Markt nennen. Da haben wir im vergangenen Jahr mit rund 20 000 Reisenden einen Umsatz in Höhe von 30 Millionen Euro erwirtschaftet – ein Plus gegenüber 2016 von 16 Prozent. Auch für dieses Jahr rechnen wir mit einem zweistelligen Wachstum der Erlöse. Das Segment Erlebnisreisen wird stark nachgefragt.

Wer sind Ihre Vertriebspartner?

Unsere Reisen sind sehr beratungsintensiv, deshalb werden 80 Prozent von ihnen im stationären Vertrieb gebucht. Dabei zahlen wir unseren Agenturpartnern eine nach Umsatz gestaffelte Provision, die bei mindestens zehn Prozent liegt.


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