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Nürnberg – Der Sommersaison 2018 ist top. Alle Daten dazu hat Roland Gassner, Key Account Director Travel & Logistics bei der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK).

Die großen Ferien sind nicht mehr weit: Sitzen die Deutschen auf gepackten Koffern?

Gassner: Das kann man so sagen: Bezogen auf die Sommersaison 2018 sind bis Ende Mai 83 Prozent des letztjährigen Saisonumsatzes bereits gebucht. Im klassischen Pauschalreisesegment können wir für den Sommer – also das touristische Halbjahr von Abreisemonat Mai bis Oktober – aktuell sogar ein Plus von 14 Prozent gegenüber 2017 festhalten.

Gibt es Unterschiede bei der Entwicklung zwischen Online-Vertrieb und stationärem Vertrieb?

Der Online-Vertrieb entwickelt sich ja schon seit Jahren überdurchschnittlich besser als der stationäre, das ist auch 2018 nicht anders. Eine Ausnahme gab es 2013/14, als politische Probleme andere Destinationen begünstigt haben und dies auch zu einer Verschiebung bei den Distributionskanälen geführt hat. Aber über die Jahre betrachtet wächst der Online-Vertrieb stärker.

Wie sehen die regionalen Unterschiede aus? Ost, West, starke und schwache Bundesländer?

Konkrete Buchungszahlen aus den einzelnen Bundesländern kann ich Ihnen nicht geben. Was ich sagen kann ist, dass es je nach Bundesland unterschiedliche Affinitäten zu bestimmten Reisezielen gibt. Beispielsweise entwickelt sich die Türkei im Norden und Nordwesten Deutschlands deutlich stärker als im Rest des Landes, während wiederum die Balearen hier nicht ganz so stark sind. Auf der anderen Seite sind im Süden Kroatien oder auch Italien stärker nachgefragt – wegen der geographischen Nähe und der Möglichkeit, diese Länder auch mit dem Auto zu bereisen.

Droht ein WM-Knick?

Nein, das kann man so nicht sehen. Weder werden in den kommenden vier Wochen weniger Menschen in den Urlaub fahren als 2017. Noch werden weniger Menschen während der Spiele den Weg ins Reisebüro finden wie im Vorjahr. Ich denke, die Bedeutung von solchen sportlichen Großereignissen auf das Buchungs- und Reiseverhalten der Kunden wird überschätzt.

Die Veranstalter sprechen von einem Comeback der Türkei. Können Sie das bestätigen? Wie haben sich dort die Buchungszahlen entwickelt?

Die Türkei kommt zurück, dass zeigen unsere Zahlen ganz deutlich. Schon jetzt – also Stand Ende Mai – liegen wir mit den Buchungszahlen um 50 Prozent über denen des Gesamtjahrs 2017. Wenngleich die Türkei noch immer weit entfernt ist von dem, was sie 2010/11 als Volumen gehabt hat. Gleiches gilt übrigens auch für Tunesien und Ägypten: Auch hier gibt es ein hohes zweistelliges Wachstum.

Spanien war im letzten Sommer ausgebucht. Auch 2018?

Ich denke, dass Spanien das Niveau vom letzten Jahr wird halten können, vielleicht gibt es sogar ein kleines Plus. Aber: Es liegt in der Natur der Sache, dass – wenn andere Warmwasser-Destinationen zurückkommen – der Platzhirsch nicht mehr ganz so stark wächst. Dennoch bleibt Spanien auch 2018 das beliebteste Bade-Ziel der Deutschen.

Welche Reisesegmente sind im Sommer 2018 besonders gefragt?

Das können wir aus den Buchungsdaten nicht direkt herauslesen. Aber wenn wir unser zweites Marketinginstrument, das Konsumenten-Panel, zur Hilfe nehmen, dann lässt sich schon sagen, dass das mit Abstand dominierende Sommerreisesegment der Badeurlaub ist. Ich schätze zwei von drei Buchungen folgen derr Motivation nach Sonne, Strand und Meer.

Welche anderen Urlaubsmotivationen spielen noch eine Rolle?

Immer beliebter sind Reiseformen wie Rundreisen oder Kreuzfahrten, bei denen man in relativ kurzer Zeit sehr kompakt viel sehen und Neues kennenlernen kann. Das ist ein Trend, der sich seit Jahren fortsetzt – und auch im Sommer 2018 anhält.

Man hört, die USA schwächeln.

Es gibt in der Tat, was Reisen nach Nordamerika, aber auch Südamerika betrifft, einen leichten Negativtrend in einer Größenordnung von minus ein bis zwei Prozent. Ich würde dies allerdings – gerade was die USA angeht – nicht als Trump-Effekt bezeichnen. Die Ursache hierfür liegt eher daran, dass diese Reiseziele in den vergangenen Jahren sehr stark nachgefragt wurden – auf Kosten des östlichen Mittelmeers oder Asien, die eher als unsicher galten. In dem Maße, wie diese Regionen jetzt zurückkommen, schwächt sich das Wachstum Amerikas und der Karibik ab.

Wie steht es um den Inlandstourismus?

Der wird auch in diesem Jahr an Volumen zunehmen.

War 2018 ein Last-Minute-Jahr? Oder doch eher ein Frühbucherjahr?

Die Deutschen haben ihren Sommerurlaub 2018 noch einmal deutlich früher gebucht. Im Oktober, November und Dezember vergangenen Jahres hatten wir eine sehr starke Frühbucherphase. Das lag daran, dass die Krise von Badeurlaubsländern wie der Türkei, Tunesien oder Ägypten in der Vergangenheit zu einer Verknappung des Angebots in anderen Destinationen geführt hatte. Aus der Erfahrung heraus wurde für den Sommer 2018 eben besonders früh gebucht. Gleichzeitig steigen aber auch die Zahlen der Last-Minute-Reisen. Es zeichnen sich also zwei gegenläufige Trends ab: Man bucht ganz früh – oder ganz spät.

Wie ist Ihre Prognose für das Reisejahr insgesamt?

Es gibt momentan keine Anzeichnen dafür, dass sich an den guten Buchungszahlen etwas ändern wird. Im Gegenteil: Wir toppen von Monat zu Monat die Höchststände der letzten Jahre. Für den Quellmarkt Deutschland insgesamt wird 2018 ein sehr erfolgreiches Reisejahr sein.

Woher stammen eigentlich Ihre Daten?

Im Travel Insights – unserem Distributionsvertriebs-Panel – messen wir Buchungsdaten von stationären und Online-Reisebüros aus dem klassischen Pauschalreisemarkt. Nicht enthalten ist da alles, was direkt vermarket oder über Online-Plattformen als Einzelbuchungen direkt beim Leistungsträger gebucht wird.

Und wie zuverlässig sind die Daten – beispielsweise im Nachhinein betrachtet?

Unsere Daten bilden die Realität schon sehr breit ab. In der Stichprobe sind da ein Fünftel aller Reisebüros in Deutschland enthalten, dazu kommen die großen Online-Reisebüros. Dementsprechend waren unsere Zahlen zurückblickend stets sehr genau und solide.

Sie leben davon, Ihre Daten zu verkaufen: Was kostet es, diese zu erheben?

Das kann ich Ihnen nicht sagen, da diese aus einem ganzen Set von Datenerhebungen und Marktbefragungen erhoben werden, die wir im Unternehmen erstellen.

Welche Umsätze machen Sie mit der Reiseindustrie, wie hat sich das entwickelt?

Auch das kann ich Ihnen leider nicht sagen.


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